BTBS

Behind The Scenes Bratislava –
Was passiert neben den offiziellen Dingen noch so auf einer Exkursion?

  • Text Dina Brauner
  • Fotografie Mascha Kolesnik, Daniel Schramkow

»Wow« ist alles, was man von uns Studierenden hört, als wir die Location der Ausstellung zum ersten Mal sehen. Die hohen kunstgeschmückten Decken, die großen, prachtvollen Kronleuchter und die alten, schnörkeligen Fenster wirken wie in einem Schloss. Das ist aber auch fast das Einzige, was an unserem Aufenthalt in Bratislava prunkvoll werden sollte.


Anreise

Es ist 7:15 Uhr morgens und wir stehen vollbepackt am Bielefelder Hauptbahnhof. Noch gestresst vom Last-Minute-Koffer-Packen, warten wir frierend auf unseren Zug und bereiten uns mental auf die bevorstehende elf stündige Fahrt vor.

Mehr als nur einmal habe ich währenddessen sämtliche Entscheidungen hinterfragt, die mich an diesen Punkt gebracht haben.


Der erste Teil der Zugfahrt verlief überraschend gut, allerdings änderte sich unser Umstand nach einigen Komplikationen und die darauf folgenden letzten drei Stunden der Fahrt haben wir dann im Gang auf dem Boden verbracht.

Mein Highlight: bei schlechtem Netz drei Telefonate mit unserem Vermieter zu führen, bei denen wir uns gegenseitig kaum verstanden haben, um unser Online-Check-In zu regeln, was bis dato nicht funktionierte.


Angekommen in Bratislava, sind wir auf schnellstem Wege zu unserer Wohnung gefahren. Da das Online-Check-In immer noch nicht funktioniert hatte standen wir gut eine Stunde vor dem Haus, welches, wie sich später herausstellte, nicht mal das richtige war.

21. Stockwerke ging es für uns schließlich nach oben, um zu unserer Unterkunft zu gelangen, wo uns schnell klar wurde, wieso sie »Jungle« im Namen trägt. Die Dekoration des Apartments beschränkte sich auf einige eingerahmt Bilder bunter Dschungeltiere.

Einige Zeit später kam der zweite Teil unserer Gruppe mit dem Sprinter in Bratislava an, für die wir schnellstmöglich einen Parkplatz finden mussten.

Die beste Option war eine heruntergekommene Fläche direkt neben der Straße, auf der bereits mehrere auseinandergenommene Autos standen, daher hatten wir schon ein bisschen Angst um die Felgen.


Ausstellung

Am nächsten Morgen ging der Aufbau der Ausstellung »Out of Bielefeld«, für die wir eigentlich in Bratislava waren, direkt los. Den ganzen Tag haben wir damit verbracht die Arbeiten von Studierenden und Lehrenden der Hochschule in den zweiten Stock des historischen Pisztory Palace zu tragen. Der gesamte Aufbau hat sich leider als herausfordernder herausgestellt als erwartet. Einige Fotos, wie zum Beispiel eins, das größer ist als ich selbst, waren dabei besonders nervenaufreibend.

Im Anschluss waren wir bei der Eröffnung einer anderen Ausstellung, bei der wir uns durch das komplette Buffet, aus kleinen Häppchen, gefuttert haben, da wir alle kurz vorm Verhungern waren.


Was zwischen Montag und Mittwoch sonst noch passiert ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Das ganze Nägel-in-die-Wand-Hämmern, was auf den Millimeter genau ausgemessen werden musste, hat zu viel Gehirnkapazität erfordert.


Freizeit

Das Essengehen in Bratislava grenzte auch ein wenig an einen Fiebertraum. Als Vegetarierin in einem Land, dessen traditionelle Küche sehr fleischlastig ist, war es wie Glücksspiel herauszufinden, ob man etwas auf der Karte findet. So kam es, dass ich in einem der größten Restaurants Europas, Kartoffelecken für drei Euro mit einem Dip für 2,50 € bestellt habe.

Dieses Erlebnis war nicht einmal das Absurdeste am Tag der Eröffnung. Da ich selbst nichts ausgestellt habe, stand ich die ganze Zeit hinter der Theke und habe den Besucher*innen Bio Rot- und Weißwein aus Plastikflaschen in Papierbecher eingeschenkt.

Dort zu stehen und alles zu beobachten hat People Watching auf ein ganz neues Level gebracht. Kurz gesagt, war es sehr einfach zu identifizieren, wer für die Ausstellung dort war und wer nur für den gratis Alkohol.


Der eigentliche Grund der Exkursion war somit erledigt; die Ausstellung wurde aufgebaut und die Eröffnung hinter uns gebracht. Die letzten zwei Tage in Bratislava konnten wir also nutzen, um die Stadt etwas besser kennenzulernen.

Die Burg und die Altstadt waren auch sehr schön, aber unser Fokus lag dann doch abends auf den für uns interessanteren, kulturellen Aspekten der Slowakei: Clubbing und Barkultur. Wie oft im Leben kommt es denn noch vor, dass man für 0,5 l Bier nur 2,90 € bezahlt?

Unser Spaß wurde leider etwas unterbrochen durch eine Bekanntschaft mit einem ukrainischen Mann, welcher ein Gespräch über Kunst mit uns anfing, sich aber recht schnell als Nazi offenbarte. 

Daraufhin haben wir die Bar verlassen um in eine unterirdische Karaokebar weiterzuziehen, in der hauptsächlich auf Russisch gesungen und indoor geraucht wurde. Die Kombination aus roter Beleuchtung, billigem Bier und schlechtem Gesang hat diesen Abend zu einem Highlight der Exkursion werden lassen.


Fazit

So schnell ging also eine Woche in Bratislava um. Zwischen Arbeit, Kunst und Alkohol sind viele sehr schöne Eindrücke entstanden. Neue Orte der Welt zu entdecken und neue Erfahrungen zu sammeln, so anstrengend sie auch sein mögen, lohnt sich immer.