Sprechblase: Und was machst du nach dem Studium?

Und was machst du dann nach dem Studium?

Wir alle kennen diese eine Frage.

  • Text Pia Hauschild
  • Abbildungen Pia Hauschild
Sprechblase: Und was machst du nach dem Studium?

Diese eine Frage, die uns auf Schritt und Tritt durch den Alltag verfolgt und die wir immer wieder vor uns herschieben. Die Frage, die auf Familienfeiern aus dem Schatten tritt und versucht, uns mit voller Wucht zu treffen.

»Was machst du denn dann nach dem Studium?«

Harmlos ausgesprochen von Verwandten, die noch nicht so ganz verstanden haben, was man wirklich studiert. Unwissend, dass sie damit die Büchse der Pandora öffnen und eine Frage stellen, die mich schon einige Stunden Schlaf gekostet hat. Um diese Tür gar nicht erst aufzuschließen, antworte ich mittlerweile einfach mit: »In einer Designagentur arbeiten.« So kann ich die Büchse gerade noch zuklappen und die geöffnete Tür wieder zuknallen. 

Fall abgeschlossen. Case closed.


Aber ganz so einfach ist die Antwort nicht. Ich kann mit dem Studium eigentlich alles machen – aber irgendwie auch nicht. Damit Menschen operieren dürfte ich beispielsweise nicht. Die Möglichkeiten haben also auch ihre Grenzen.

Doch wie weit kann man gehen?

01_Designbüro

Wer auf Nummer sicher gehen will, der wählt die Antwort in einem Designbüro zu arbeiten. Aber mal ganz ehrlich: War das auch das Ziel, als man sich auf einen Studienplatz beworben hat? Von einer anfänglichen Ausrede, um nicht über die unklare Zukunft reden zu müssen, scheint die kleine Lüge mit fortlaufendem Studium allerdings immer näher zu rücken. 

Wo studiere ich da eigentlich gerade drauf hin?

Um 40 Stunden die Woche vor dem Laptop zu sitzen und in den Programmen Texte hin- und herzuschieben?


Da kann schon mal die Panik einsetzen. Dabei gibt es so viele andere Möglichkeiten, die einfach hinter dem eigenen Horizont verschwunden sind. Wie wäre es mit der Art Direktion in einem Magazin? Am Filmset, im Museum oder auf einem Festival?


02_Graphic Prop Design

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wo die ganzen Zeitungen in Filmen herkommen? Die Kalender an der Wand oder die Klingelschilder neben den Türen? 

Ich auch nicht. 


Es ist ehrlich gesagt nicht der wertgeschätzteste Job der Welt. Aber der Job eines Graphic Prop Designers bringt seine eigenen Vorteile mit. Keine langweilige Büroarbeit, ständig neue Herausforderungen und die Recherche auf Flohmärkten. All das macht den Job als Grafikdesigner*in am Filmset aus. Mal braucht man eine Grabinschrift aus dem 14. Jahrhundert, mal ein Straßenschild aus den 1970ern in New York. Die einzelnen Arbeiten kriegen meist zwar nur ein paar Sekunden Screentime im Hintergrund, trotzdem funktioniert ohne sie nichts am Set. Wenn dir also Gehalt und Arbeitszeiten nicht so wichtig sind und dir die Ungewissheit auf den nächsten Job eher einen Adrenalinkick als eine Panikattacke gibt, dann ist die Arbeit als Prop Designer genau das Richtige für dich.


03_Ausstellungsgestaltung


Wenn man in einem Museum arbeiten will, dann muss man Geschichte, Kunstgeschichte oder etwas im naturwissenschaftlichen Bereich studiert haben. Oder?

Was kann ich denn schon beitragen, wenn ich nicht einmal Monet von Manet unterscheiden kann? 


Aber wie lockt man die Menschen ins Museum? Wie gestaltet man die Infos zu den Ausstellungsstücken? Und wie erklärt man etwas, dass sogar jemand ohne blassen Schimmer (wie du und ich) versteht? Bei der Frage kann man als Kommunikationsdesigner*in schon weiterhelfen. Man muss sich vielleicht noch ein, zwei Bücher kaufen und ein Wochenende die ARD-Mediathek durchforsten. Aber dann stehen einem auch die Museumstore offen.


Mit schwarzem Rollkragenpulli und Doc Martens an den Füßen fügt man sich als Klischee KD-ler zudem problemlos in jedes Hipster-Café ein.

04_Barista

Wenn alle Stricke reißen, das Agenturleben ausprobiert und schließlich ausgeschlossen wurde, dann ist ein Barista-Quereinstieg nicht allzu groß.


Mittlerweile hat jede Agentur, die etwas auf sich hält, eine Siebträgermaschine. Mit der ist man also schon einmal vertraut. 

Zwar hat man dann 3,5 Jahre studiert, um seine Designs ausschließlich mit Milchschaum in eine Tasse zu gießen, aber man zaubert den Menschen jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht. Außerdem braucht man sich nicht mehr acht Stunden am Tag zu fragen, wie genau man mit ein paar Mausklicks in InDesign den Sinn des Lebens findet.


05_Eventdesign

Wenn du sagen müsstest, was du am Studium am liebsten magst, dann wäre das vielleicht die Werkschauparty? 


Auch da findet sich eine Lösung den Sinn im Studium wiederzufinden, ohne den Eltern beim nächsten Treffen schwere Nachrichten übermitteln zu müssen. Ob Konzerte, Festivals oder Messen. Rate mal, was alle brauchen? Wer hätte es gedacht: Ein Eventdesign. 

Also, bevor man vorschnell das Studium abbricht, um DJ zu werden, kann man kurz innehalten.

06_Street Art

Das ist alles noch zu konventionell und kommerziell? Vielleicht wäre ja die Arbeit als Street Artist etwas für dich? Losgelöst von allen Vorgaben und von Profitorientierung kannst du in diesem Job alles in die Tat umsetzen, was dir so in den Sinn kommt. Ein etwas nervigerer Teil des Jobs ist allerdings der Aufwand, der dazugehört, um anonym zu bleiben. 

Wer nicht gerne vor der Polizei weglaufen oder in Nachtschichten arbeiten will, sollte sich eher nach anderen Optionen umsehen. 


Der Job kann aber auch sehr belohnend sein, wenn man tagsüber die eigenen Bilder in der ganzen Stadt sieht. Jedoch spricht leider auch die Vergütung nicht sonderlich für den Job. Eine Kombination mit der vorherigem Job als Barista könnte den finanziellen Aspekt aber wieder ausgleichen.


Was antwortet man also das nächste Mal auf die Frage, was man nach dem Studium machen will?


Womöglich ist man mutig und sagt man wisse es nicht. Oder man legt es auf ein paar verwirrte Blicke an und sagt so etwas wie »Graphic Prop Design«. Vielleicht aber bleibt man auch bei der altbekannten sicheren Antwort der Designagentur und träumt nur im Geheimen von einer Karriere als Street Artist bei Nacht und Barista bei Tag. Am Ende ist einem die Antwort nämlich Gott Sei Dank selbst überlassen.