Warum wir Gestalten

Über Leidenschaft, Selbstfindung und kreative Identität: Was bewegt Menschen dazu Gestaltung zu studieren? Was inspiriert und verbindet?

  • Text Chiara Stellbrink
  • Fotografie Chiara Stellbrink

Gestaltung begegnet uns überall. Sie steckt in den Dingen, die wir benutzen, in den Räumen, die wir betreten, und in den Botschaften, die uns täglich umgeben. Kaum etwas in unserer Umwelt ist zufällig entstanden. Doch woher kommt dieser Drang, die Welt zu formen und ihr unseren eigenen Ausdruck zu verleihen? Was inspiriert uns und was schätzen unsere Studis hier am FB1 besonders? Hierzu habe ich sieben Gestaltungsstudenten aus dem 3. und 5. Semester befragt.

Was fasziniert Studierende am Gestalten? 

Die Faszination der Gestaltung liegt in ihrer Offenheit. Sie kann kommunizieren, hinterfragen, provozieren oder einfach erkunden. Dabei entstehen Freiräume für Experiment und Ausdruck. Viele Studierende erleben beim Gestalten zudem einen Zustand des »Flows«: Sie tauchen tief in den Arbeitsprozess ein und verlieren das Zeitgefühl. Gestaltung wird so nicht nur zum Mittel der Kommunikation, sondern auch zu einem Werkzeug der Selbstreflexion und Identitätsbildung.

Was kann Gestaltung deiner Meinung nach bewirken? Welche Chancen siehst du? 

Der wohl am häufigsten genannte Aspekt der Studierenden ist die Möglichkeit, die Welt ein Stück weit zu einem besseren Ort zu machen und Farbe in das Alltägliche zu bringen. Durch Gestaltung können wir Eindrücke hinterlassen, uns verewigen und Themen ansprechen, die uns am Herzen liegen. Gleichzeitig darf Gestaltung auch provozieren, bewusst das Unschöne kritisieren und schockieren. Sie kann auf Missstände aufmerksam machen, an die Gesellschaft appellieren und Debatten anstoßen. Visuell, sprachlich und emotional vermag sie viel zu bewegen. Umso wichtiger sei es, diese Kraft zu nutzen, Bewusstsein zu schaffen und Veränderungen anzustoßen. So kann Gestaltung als Vermittler*in auf kultureller und sozialer Ebene fungieren.

Alles, was nicht Natur gemacht ist, wurde zwangsläufig einmal gestaltet.

Wieso hast du dich für ein Studium im künstlerischen Bereich entschieden?

Die meisten aller Befragten geben an, dass sie bereits seit ihrer Kindheit kreativ seien und deswegen von Grund auf klar war, dass sie dies zu ihrem Beruf machen wollen. Künstlerisches Handeln und das aktive Gestalten haben ihnen schon immer Freude bereitet. Aber auch die Abneigung gegenüber wissenschaftlichen und theorielästigen Studiengängen spielt eine Rolle. Einige der Befragten haben bereits vorher an einer Universität studiert und dies aufgrund fehlenden Spaßes und zu wenig Praxisanteilen abgebrochen.

Was inspiriert dich?

Unsere Studis werden auf unterschiedlichste Art und Weise inspiriert: sei es beim Scrollen durch Instagram, Pinterest und Co oder auch beim Spaziergang durch den Park. Auch Musik, historische Inspirationen oder Subkulturen dienen als Inspirationen im Designprozess. Der Alltag und ständige Umgebungsreize, denen wir ausgesetzt sind, inspirieren und bringen uns den nächsten Geistesblitz. Aber auch bestehende Designs, die uns faszinieren, sind Anregungen und Inspirationen für unsere eigenen Umsetzungen.

Was macht unseren Fachbereich so besonders?

Unseren FB1 macht laut Studis besonders, dass wir unendlich viele Möglichkeiten haben uns weiterzubilden und interdisziplinär zu studieren. Auch das Miteinander und der Zusammenhalt wird als sehr positiv wahrgenommen. Denn ja, wir duzen uns tatsächlich alle hier, samt Dozenten und Profs. Auch unser Gebäude mit seinem 1950er Jahre-Charme wird häufig genannt. Wir haben einen familiären Raum, ohne Angst vor Verurteilung, in dem sich jeder ausleben kann, wie man mag.

Welche Änderungen würdest du dir wünschen?

Am häufigsten gerät die Mensa ins Visier: Es sei zu teuer und die Auswahl teilweise begrenzt. Verbesserungsbedarf besteht auch in der Informationsvermittlung und bei den Modulangeboten: Studis wünschen sich eine größere Auswahl an Gestaltungsmodulen. Auch noch mehr Vorbereitung aufs spätere Berufsleben spielt eine Rolle. Und wie sollte es anders sein, Geld spielt natürlich auch hier eine große Rolle. Vor allem im Modestudium entstehen teilweise Unmengen an Materialkosten, die für uns Studis kaum zu stemmen sind. Ein Zugang zu Probestoffen oder ein generelles Archiv mit Grundausstattungen werden als Lösungsansätze genannt.

Wir werden immer das Bedürfnis haben, unsere Gefühle mit nach außen zu teilen ...

... und wir werden wohl auch immer ein bisschen »delulu« sein und die Welt zu einem besseren Ort machen wollen. Gestaltung öffnet uns viele Türen, kann als Vermittler dienen und ermöglicht uns, unsere Identität mit der Welt zu teilen. Menschen gestalten seit Tausenden von Jahren – und das wird sich so schnell nicht ändern.