»Zwischen Tinte, Tiffs und Tonwerten«

Schon beim Öffnen der schweren Tür schlägt mir das gleichmäßige Brummen und Surren der Druckmaschinen entgegen. Als ich die Werkstatt betrete, sehe ich viele Arbeitstische mit einer Unmenge an Papier und Fotodrucken darauf. Schon nach wenigen Sekunden wird deutlich: Hier sind Fachleute am Werk, die Technik, Erfahrung und routinierte Abläufe miteinander verbinden.

  • Text Franka Albert
  • Fotografie Franka Albert

Mario und Thorsten – die beiden Zuständigen für die digitalen Druckwerkstätten. Zwei Personen, die immer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn man, wie ich, Fotostudi ist, hat man die beiden schon des Öfteren gesehen und gesprochen. Für alle, die sie (noch) nicht kennen: Stellt euch doch bitte einmal vor.


MV

Ich bin Mario Vrdoljak. Ich bin hier jetzt seit über 25 Jahren in der Druckwerkstatt beschäftigt. Der Bogendigitaldruck ist seit circa zehn Jahren hier in der Druckwerkstatt fest etabliert und hauptsächlich mein Bereich. Wenn Studierende Anfragen haben, versuche ich ihnen weitestmöglich zu helfen – bezüglich Druckterminen und Papieren. Dann drucke ich hier Bachelor- und Masterarbeiten, Bücher, Hausarbeiten und Arbeiten für Ausstellungen.

TN

Zu meiner Person: Thorsten Nottebrock. Ich bin jetzt seit knapp vier Jahren hier. Ich bin insbesondere für den Großformatdruck sowie für die Druckvorstufe und die Datenprüfung für den Bogen-Digitaldruck zuständig. Ich drucke Projekte auf verschiedensten Papieren – von günstigen Papieren für Probedrucke bis hin zu Fine-Art-Papieren für Ausstellungen von Studierenden, Prüfungen, Werkschauen etc. Dann sind wir beide – nur, um das klarzustellen – nicht in der Lehre tätig, sondern technische Angestellte. Wir geben Empfehlungen aus unserer Berufspraxis heraus. Nebenbei übernehme ich auch die Vorbereitung für den Siebdruck, betreue Risografie-Termine und den Großformatscanner.

FA

Würdet ihr etwas an eurem Job, an dem Raum oder den Materialien hier ändern wollen?

MV

Veränderungen finden permanent statt, sei es beispielsweise bei der Geräteausstattung. Demnächst wird für die Druckwerkstatt auch eine neue Bogendigitaldruckmaschine angeschafft. Und Thorsten hat im Großformatdruck gerade einen neuen Scanner bekommen.

FA

Habt ihr ein Lieblingspapier, auf das ihr besonders gerne druckt?

MV

Grundsätzlich kann man sagen, dass Thorsten wiederum mit anderen Papieren druckt als ich. Sicherlich ist das bei ihm anders, wenn er große Formate druckt. Das Pergraphica Classic ist z. B. ein tolles Papier. Das kann für fast alles eingesetzt werden.

TN

Im Großformatdruck ist das Wandvlies mit Abstand das beliebteste Material. Das hat meiner Meinung nach ein tolles Druckbild und eine tolle Haptik. Von den Fine-Art-Papieren finde ich das Photo Rag Satin am schönsten, aber das ist natürlich Geschmackssache.

FA

Gibt es so ein typisches Versehen, das viele machen, wenn sie das erste Mal bei euch drucken?

MV

Die meisten Studierenden haben Schwierigkeiten mit den technischen Angaben für den Druck – hinsichtlich der Farbräume, der Auflösung, der Formate und der Bildgröße.

TN

Das würde ich auch so sagen. Ich glaube, das ist im Großformatdruck wie auch im Digitaldruck sehr ähnlich und passiert öfter. Falls Nachfragen bestehen, erklären wir natürlich alles nach bestem Wissen und Gewissen. Gerade im Großformatdruck besteht außerdem die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren oder sich auszutauschen.

FA

Stimmt es, dass die Studierenden aus Fotografie und Bildmedien am meisten drucken – also im Vergleich zu den anderen Studienrichtungen?

TN

Foto druckt im Großformat am meisten. Projekte aus Kommunikationsdesign sind auch immer sehr schöne, ambitionierte Projekte, zum Beispiel aus Kursen von Nils Hoff. Der Bereich Mode druckt vor allem zu den Abschlüssen sehr viel. Am wenigsten – naturgemäß – ist es bei Digital Media & Experiment, da wird das meiste am Bildschirm produziert.

MV

Im Digitaldruck ist es relativ ausgewogen. Tendenziell drucken jedoch mehr Studierende aus den Bereichen Design und Foto. Ich drucke auch eher Abschlussarbeiten und die Theorieteile – Bücher und Broschüren.

FA

Was war bis jetzt das schönste oder verrückteste Projekt, das ihr gedruckt habt und an das ihr euch erinnern könnt?

TN

Größere Projekte sind immer toll anzusehen. Zum anderen finde ich die extreme Bandbreite spannend, die man hier sieht – von Ideen, bei denen man selbst denkt: »Da wäre ich nie drauf gekommen.« Eure guten Ideen sind schön, zum Beispiel auch die Illustrationskurse von Nils Hoff. Jetzt gerade beim Symposium waren wieder tolle Ideen von den Fotoleuten dabei, bei denen das Wandvlies großflächig verklebt wurde. Der beeindruckendste Einzeldruck, den ich jemals hatte, war ein Masterabschluss. Das war ein großes Banner. Die Studierende hatte es zu einer Endlosschleife, wie eine Jalousie, zusammengeklebt. Besonders spannend finde ich auch, wenn die Fotostudis bei ihren Abschlüssen die Arbeiten der Mode-Studierenden in Szene setzen. Das hat schon etwas.

FA

Was motiviert euch an der Arbeit hier?

TN

Motivierend ist für mich, dass ich jeden Tag andere Arbeiten von Studierenden sehe und daran mitarbeiten kann. Ich schätze außerdem die Zusammenarbeit mit Herrn Vrdoljak und das kollegiale Umfeld sehr. Ich finde sowieso, dass hier an der Hochschule ein angenehmes und respektvolles Miteinander herrscht. Das habe ich auch schon anders erlebt. Ich gehe tatsächlich gerne hier arbeiten – nicht, weil das jetzt jemand hört, sondern weil ich auch schon andere Arbeitsstellen kennengelernt habe und die Vorzüge hier zu schätzen weiß. Ich bin jetzt seit über vier Jahren hier und bereue es überhaupt nicht.

MV

Ja, wenn die Studierenden sich freuen und glücklich sind, wenn sie ihr Druckprodukt in den Händen halten, ist das auch Motivation für mich. Wenn in den Hochschulfluren die Drucke für die Prüfungen hängen, könnte das ja auch für andere Studierende interessant sein. Ich finde außerdem den Austausch mit den Studierenden bereichernd. Wir können viele eigene Ideen einbringen – also nicht so von oben herab nach dem Motto: »Ihr müsst das jetzt so machen.« Das motiviert einen.

 

Zum Schluss stehen wir noch einen Moment in der Werkstatt. Eine Maschine läuft im Hintergrund weiter, ein gleichmäßiges Geräusch, das hier niemanden mehr stört. Das Gespräch klingt nach, während sich der Raum langsam wieder seinem Alltag widmet. Jedes Bild wird angefasst und beurteilt. Entscheidungen werden getroffen, die später niemand mehr sieht, die aber bleiben. Vielleicht ist das der eigentliche Moment des Fotodrucks: wenn aus einer Datei ein Gegenstand wird – und aus einer Entscheidung etwas Dauerhaftes.